Tipp: welche Stillzeiten?


Welche Trink- bzw. Stillzeiten sind als normal anzusehen?

In den ersten Wochen werden Sie bei Ihrem frisch gebackenen Baby vergeblich nach einem Rhythmus suchen. Ihr Säugling ist noch nicht in der Lage, zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Im Babybauch wurde der Hunger ja auch immer gestillt, wenn er gerade da war, egal zu welcher Zeit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das neue Familienmitglied in der ersten Zeit nach der Geburt seinen Eltern den Hunger immer lautstark anmelden, sobald der Magen knurrt. Außerdem müssen sich Mutter und Kind zunächst an die neue Situation gewöhnen, bis das Stillen für beide im Laufe der Zeit zur Routine wird.


Viele Eltern möchten hier nicht in die natürlichen Gegebenheiten eingreifen und vertrauen hier voll auf die Signale Ihres Babys. Sie stellen die Bedürfnisse Ihres Sprösslings in den Vordergrund. So kann es vorkommen dass der Säugling bis zu zehn Mal täglich nach der Brust verlangt und das in sehr unregelmäßigen Abständen. Ich habe ja schon mehrfach erwähnt, dass der Magen des Neugeborenen noch nicht viel Nahrung aufnehmen kann. Er trinkt sehr oft, aber dafür immer sehr wenig.



Sie werden immer wieder Stimmen im Hintergrund hören, die der Meinung sind, dass Sie Ihr Baby verhätscheln, wenn Sie es je nach Bedarf anlegen. Geben Sie nichts darauf und folgen Sie weiter Ihrer mütterlichen Intuition. Einen Säugling kann man nicht zu sehr verwöhnen. Im Gegenteil, wir Eltern können ihm gar nicht genug Geborgenheit und körperliche Nähe geben. Mütter und Väter sind in den ersten Wochen die einzigen Vertrauenspersonen, die Ihr Baby auf dieser fremden und großen Welt hat. Es braucht unseren Schutz und schenkt uns sein vollstes Vertrauen. Da können Eltern Ihre Liebe gar nicht genug zeigen.


Es ist für die Milchproduktion nur ideal, wenn Sie sich als Mutter ganz auf die Bedürfnisse Ihres Babys einstellen. Ihr Körper weiß, dass er mehr Milch produzieren muss, umso häufiger der Säugling angelegt wird. Das hat die Natur für uns so eingerichtet.


Erfahrungsgemäß werden Sie nach drei anstrengenden Wochen feststellen, dass Ihr Säugling nun ganz von selbst einen Rhythmus entwickelt. Sein Magen ist nun schon ein wenig gewachsen und so werden auch die Mahlzeiten immer größer. Mütter und auch Väter werden erleichtert sein, dass die Zeit zwischen den Mahlzeiten immer größer wird und die Zeitabstände auch regelmäßiger werden. Ihr Baby wird nun ungefähr alle vier Stunden nach einer Mahlzeit verlangen. So ist es Ihnen als Eltern auch wieder möglich, den Alltag ein wenig zu planen. Ich weiß selber noch gut, wie froh ich war, als ich das erste Mal seit Wochen wieder vier Stunden am Stück schlafen durfte. Ich fühlte mich richtig erholt.
Wenn Sie jetzt noch ein paar Wochen ausharren, dann kommen Sie vielleicht auch bald in den Genuss, dass Ihr Säugling auf eine seiner Nachtmahlzeiten verzichtet.




Sie sehen, wenn Sie den natürlichen Begebenheiten freien Lauf lassen, wird sich das Baby selber einen Rhythmus einrichten, ganz ohne Ihr Zutun. Sie dürfen Ihren Säugling nur nicht unter Druck setzen. Haben Sie Geduld und zwingen Sie ihn zu nichts.


Nun stellt sich Ihnen vielleicht noch die Frage, wie lange Sie Ihren Säugling an jeder Brust saugen lassen sollten.


Gleich nach der Geburt müssen sich die empfindlichen Brustwarzen der Mutter erst an die Strapazen gewöhnen. Es ist also sinnvoll, das Baby von Anfang an immer wieder für wenige Minuten an beiden Seiten anzulegen. Dabei ist es zweitrangig, ob schon Milch fließt. Im Gegenteil, durch das Saugen Ihres Säuglings wird der Milcheinschuss angeregt. Das Hormon Oxytocin wird angeregt, was für den Einschuss der Milch verantwortlich ist.
Sie werden ein Prickeln in Ihrer Brust bemerken. Denn jetzt entleeren sich die Milchbläschen und die Milch gelangt durch die Milchgänge in die Vorratsdepots, die gleich hinter der Brustwarze liegen. Das Baby braucht sich nun keine große Mühe mehr geben, um seinen Hunger zu stillen. Vielleicht haben Sie beim Stillen schon bemerkt, dass die andere Brust tropft, während Ihr Säugling an der einen noch saugt. Jetzt ist es auch verständlich, warum das häufige Saugen gleich vom ersten Tag an so wichtig ist.


Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass mein Körper die Milchproduktion in gang brachte, wenn ich nur an mein Baby dachte. Eine tropfende Brust ist dann das Ergebnis. Andere Mütter hingegen brauchen etwas länger, bis der Milcheinschussreflex gereizt wird. Das ist von Mutter zu Mutter unterschiedlich.


Sie müssen nur beachten, dass Sie Ihr Baby an beiden Brüsten gleichmäßig anlegen, damit auch das Milchangebot auf beiden Seiten gleich bleibt.


In der zweiten Woche können Mutter und Säugling sich meist schon als ein eingespieltes Team betrachten. Die Brustwarzen sind nun schon etwas robuster und es spricht nichts dagegen, das Kind nun fünf bis zehn Minuten an jeder Seite saugen zu lassen. In diesem Alter des Babys dauert es etwa sieben Minuten, bis eine Brust leer getrunken ist. Wenn Sie aufmerksam zuhören, können Sie an den Schluckgeräuschen erkennen, ob noch Milch fließt.


Lösen Sie Ihr Kind von der Brustwarze, wenn die erste Brust leer ist. Dafür dürfen Sie es an der zweiten Brust ruhig ein wenig länger saugen lassen. So kann Ihr Säugling noch ein wenig sein Saugbedürfnis ausleben. Ich rate Ihnen, Ihr Baby bei der nächsten Mahlzeit an der zuletzt gereichten Brust wieder anzulegen. So schaffen Sie optimale Voraussetzungen für eine gleichmäßige Milchproduktion.


Zu Beginn jeder Mahlzeit fließt nur die so genannte Vormilch. Sie ist wässrig und stillt den Durst des Babys. Erst später kommt Ihr Säugling in den Genuss der kalorienreichen und sättigenden Hintermilch, die den Hunger stillt. Wenn Sie Ihr Baby also zu kurz anlegen, hat Ihr Kind keine Zeit mehr, diese sättigende Kraftmilch zu trinken.


Mittlerer Weile sind Sie und Ihr Baby ein eingespieltes Team und es wird sich eine Stilldauer von etwa zwanzig Minuten pro Brust einpendeln. Lassen Sie Ihr Baby keinesfalls länger als eine halbe Stunde an einer Brust nuckeln. Sie könnten sonst bald von wunden Brustwarzen geplagt sein.


Bedenken Sie, dass es für die Trinkzeiten Ihres Babys keine speziellen Pläne einzuhalten gibt. Hören Sie einfach auf Ihr Bauchgefühl und vertrauen Sie Ihrem Schützling. Wenn Sie sich mit anderen stillenden Müttern unterhalten, werden Sie feststellen, dass jede Stillgemeinschaft ganz individuell ist. Aber eines wird immer gleich sein: Wir Mütter stellen das Wohl unseres Kindes immer in den Vordergrund.